Gedanken zum Weihnachtsfest

Liebe Pfarrgemeinden,

 

ich las vor kurzem in einer Zeitung: „Die Gesundheit sei sehr wichtig, nicht aber das höchste Gut!“ Und an einer anderen Stelle: „Die Gesundheit ist nicht zu unterschätzen, aber auch nicht zu überschätzen.“ Was soll das bedeuten? Diese Sätze können manche Ohren irritieren. Im alltäglichen Leben hören wir das Gegenteil: „Die Gesundheit ist das Wichtigste.“ „Die Gesundheit ist das höchste Gut“. Auch eine Fernsehsendung mit dem Titel „Hauptsache Gesund“ kann man im Mitteldeutschen Rundfunk anschauen. Ja, wir leben in einer Zeit, in der man um der Gesundheit willen vieles in Kauf nehmen muss. Aber was tun, wenn der Mensch nicht mehr gesund ist? Was tun, wenn den Menschen eine Krankheit heimsucht? Was tun, wenn man einen lieben Menschen verliert? Bricht dann nicht unser Fokussieren auf die Gesundheit wie ein Kartenhaus zusammen, wenn wir sie uns als höchstes Gut auf die Fahne geschrieben haben? 
Die ganze Welt ist in einem unermüdlichen Wettlauf um den besten Impfstopf gegen Covid-19. Laut der WHO werden derzeit ca. 200 Impfstoffe getestet. Es erreicht uns gerade die grandiose Nachricht, dass Großbritannien seit dem 8. Dezember mit der Impfung der Bevölkerung begonnen hat. Das Ende der Pandemie wird von den Regierungen weltweit schon angekündigt, auch wenn gleichzeitig vor der dritten Welle der Infektionen gewarnt wird.
Muss sich nicht an unserer Lebenseinstellung etwas ändern? Ist es nicht so, dass die alleinige Fixierung auf die körperliche Gesundheit in eine Sackgasse führen wird?
Wir wissen, dass der Mensch, solange er lebt, aus Leib und Seele besteht. Wir haben einen beseelten Leib und eine leibliche Seele. Eine Seele ohne Leib, was könnte das sein? Das können am besten die Philosophen und die begabten Theologen beantworten. Und ein Leib ohne Seele? Diese Frage werden die Bestattungsunternehmer ohne große Schwierigkeiten beantworten. Aber die Einheit und die Untrennbarkeit von Leib und Seele wird am Menschsein erkennbar. Sicher können wir in unseren Diskussionen einmal mehr die Seele, einmal mehr den Leib betonen. Es wird sich aber am Menschsein nichts ändern, egal ob wir daran denken oder nicht. Was möchte ich damit sagen? Wenn es um das Heil oder um die Gesundheit geht, müssen wir den Menschen ganzheitlich betrachten.
Warum haben wir so viele Psychologen und Psychotherapeuten in unserem Land? Weil sie bloß ein körperliches Wesen, das mit ein paar Gefühlen ausgeschmückt ist, behandeln möchten? Nein. Weil sie nicht den Teil des Ganzen, sondern das Ganze des Teiles sehen wollen, um den griechischen Philosophen Platon zu zitieren. Weil der Mensch mehr als eine biologische Masse aus Fleisch und Knochen ist. Weil der Mensch aus Leib und Seele besteht. 
Und wenn wir diese Gedanken weiterverfolgen, was hat dieser Mensch mit Weihnachten zu tun? Bemühen wir die Historie. Was geschah vor über 2000 Jahren? Jesus. kam – in einem Stall, in ärmlichen Verhältnissen – in unsere Welt. Über ihn haben die Psalmen gesungen, von ihm haben die Propheten gesprochen. Und nun ist er da. Mit Leib und Seele. Aus Fleisch und Blut. „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“, ist beim Propheten Jesaja (9,5) zu lesen. Und im Weihnachtsevangelium bei Lukas: „Sie [Maria] gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in einer Krippe.“
Liebe Pfarrgemeinden, wer an Jesus glaubt, glaubt nicht nur an einen geistigen Jesus, sondern auch an den Jesus, der in einer Krippe zu uns gekommen ist. Wer an Jesus glaubt, glaubt auch an den, der Gottes Sohn ist und unsere menschliche Natur angenommen hat. Dieses ist der Ausgangspunkt und der Schlüssel zum Verständnis der Sakramente, vor allem der hl. Messe. Die Kirche würde heute keine Sakramente feiern, wenn nicht die zweite göttliche Person auf dieser Erde erschienen wäre. Wenn wir es noch konkreter ausdrücken wollen, die Sakramente bezeugen und setzen die Leibhaftigkeit Jesu auf dieser Erde fort. Glauben wir an das Geheimnis von Bethlehem, verstehen wir auch die Bedeutung der Sakramente. Suchen wir nur einen geistigen Jesus, dann entsakramentalisieren wir den Menschen. Zu Gott sollen wir mit allen Sinnen kommen und nicht nur mit unserem Verstand.
Begreifen wir also, warum wir gerade in dieser wirren Zeit die Sakramente, vor allem die hl. Messe brauchen? Ist es nicht ein Widerspruch, auf der einen Seite die körperliche Gesundheit hoch zu halten, auf der anderen Seite den Leib Christi, also die hl. Messe zu missachten? Lassen wir nicht zu, dass uns Bilder oder Zahlen in der Öffentlichkeit beängstigen oder verrückt machen. Lassen wir nicht zu, dass Weihnachten privatisiert oder sogar beschlagnahmt wird.
Nur mit einem gesunden Hausverstand und einem logischen Denken können wir jede Krise überwinden! Und nur die Freundschaft mit Jesus macht uns mutig und fröhlich! Und genau das wünsche ich euch allen zu Weihnachten und im neuen Jahr: Mut und Fröhlichkeit!

 

Pfarrer Ioan

 

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