Gedanken für Weihnachten und Neujahr

Ein besonderer Wunsch!

 

Liebe Pfarrgemeinden, die Geschichte der armen Witwe, die zwei kleine Münzen in den Opferkasten des Tempels hineinwarf, ist allen bekannt. Jesus ist von dieser Frau so ergriffen, dass er seine Jünger zu sich holte und ihnen sagte: „Diese arme Witwe, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß“ (Mk 12,44). Alle anderen haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen, diese Frau hat aber ihren ganzen Lebensunterhalt verschenkt. 
Viele werden sich wahrscheinlich fragen: Was hat das mit Weihnachten zu tun? Es können viele Parallelen gezogen werden. Hat die Armut der Witwe nicht etwas mit der Armut Jesu im Stall von Bethlehem zu tun? Ist das überwältigende Gottvertrauen dieser Frau nicht das Vertrauen jener Mutter, die Jesus zur Welt brachte? Hat nicht diese Witwe ihre letzten zwei Münzen in den Opferstock als ein Akt der freien Entscheidung hineingeworfen? Hat nicht Maria – auf den Ruf des Engels Gabriel – völlig frei und entschieden zu dem Plan Gottes Ja gesagt?
Ja, wir können vielleicht noch einige Vergleiche anstellen. In diesem Vorwort geht es aber nicht darum, eine vertiefende Untersuchung der Bibelstellen vorzunehmen. Eine solche Analyse würde den Rahmen dieser einleitenden Worte sprengen. Zum Weihnachtsfest und zu Neujahr gehören eigentlich ermutigende und zukunftsorientierte Worte. Worte, die uns Hoffnung schenken. Gerade in einer angst- und panikgeprägten Gesellschaft sind wir eingeladen, auf die Freundschaft Jesu einzugehen, ihn besser kennenzulernen. In einem Brief an eine Mutter, die für eine gute Lektüre für ihr Kind bittet, schrieb der große russische Schriftsteller Dostojewski: „Machen Sie es mit dem Evangelium bekannt, lehren Sie es an Gott glauben. Dies ist alternativlos. Etwas Besseres als den Heiland können Sie gar nicht finden“.
Wenn wir der Einladung Dostojewskis Folge leisten und wieder einen Blick auf die Witwe aus dem Evangelium werfen, beobachten wir mit Staunen jenes Gottvertrauen, das jede Angst überwindet. Hätte diese Witwe in ihrem Schicksal nicht allen Grund gehabt, zu kalkulieren und zu rechnen? Hätte sie nicht nur eine der beiden Münzen opfern können? Selbstverständlich. Aber sie tut das nicht. Sie verlässt sich hundertprozentig auf Gott. Und sie macht das freiwillig. Ihr bedürftiger Zustand reicht also nicht aus, um an Gott zu glauben. Ihre innere Entscheidung, nicht nur ihre zwei kupfernen Münzen sondern auch ihre Existenzängste zu opfern, macht sie glücklich.
Warum ist das außergewöhnliche Gottvertrauen dieser Frau immer noch ein Vorbild in unserer Welt? Egal, wo wir im Leben stehen, das Vorbild der armen Witwe will uns zeigen, dass das Gottvertrauen nicht nur eine christliche Angewohnheit ist, sondern unserem eigenen Wesen entspricht: Wir nähern uns immer mehr unserer eigentlichen Bestimmung: Kinder Gottes zu sein. Vor Gott sind wir keine Marionetten, die zur Belustigung von irgendwelchen Mächten in den Kulissen bewegt werden. Von ihm brauchen wir unsere Freiheit auch nicht zu erkaufen, sie ist uns geschenkt worden. Vor ihm sind wir immer mündige Christen. Vor ihm zählt nur unsere Entscheidung. Eine Entscheidung, die immer in Freiheit getroffen wird.
„Liebe, und tue, was du willst“, hat einmal der hl. Augustinus gesagt. Wenn du die Liebe hast, dann hast du den Kompass für all deine Handlungen. Wenn es dir aber an Orientierung fehlt, dann ist alles umsonst. Du kannst reich sein, und doch so arm, und du kannst arm sein, und doch so reich.
Ja, der Reichtum der armen Witwe sind das Gottvertrauen und ihre innere Freiheit. Und bei uns? Wo ist unser Reichtum? Wo ist unser Schatz? „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“, sagte Jesus in der Bergpredigt, ein Grundsatzprogramm, das auch heute seine Gültigkeit nicht verloren hat. Auch wenn viele noch davon träumen, einen Schatz zu finden, der ihnen ein Leben  ohne Sorgen bereitet, lädt uns Jesus ein, Schätze im Himmel zu sammeln, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
Wir brauchen unser Konto nicht leerräumen und das ganze Ersparte den Armen geben. Jesus fordert uns vielmehr auf, unser Herz nicht an das Vergängliche zu hängen. Die Sicherheit der Christen besteht nicht in ihrem Reichtum, sondern in jenem Reichtum, der Jesus selber ist.
Wenn der Weg der Hirten nach Bethlehem unser eigener Weg wird, dann brauchen wir nichts zu fürchten, auch wenn jeden Tag Weltuntergangsszenarien ausgemalt werden, denn wir wissen: „Heute ist [uns] in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“. (Lk 2,11). 
Und nun mein Wunsch an jeden einzelnen von euch: Lebt die Freiheit der armen Witwe aus dem Evangelium! Lebt die Freiheit jener Menschen auf dem Hirtenfeld und lebt die Freiheit der Kinder Gottes!

Pfarrer Ioan

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