Impuls für den Herbst: Eine gesunde Dosis „göttlichen Irrsinns“ für unsere Kirche?

Zum wiederholten Male lud uns Dekan Gabriel im Herbst zu einer Andacht mit spannender Impulspredigt in die Pfarrkirche von Gries ein.

Nach der musikalischen Einstimmung mit dem Lied „Denk Du in mir, o Jesus“ durch das OK-Chörli aus Obernberg hörten wir im Evangelium, wie Jesus erfahren musste, dass nicht nur Schriftgelehrte und Pharisäer, sondern auch seine engsten Familienmitglieder an seinem Verstand zweifelten und sagten: „Er ist von Sinnen!“, im Sinne von: „Er ist wahnsinnig!“ Nicht verstanden zu werden, widerfuhr Jesus sehr oft, dennoch muss es außerordentlich schmerzlich für ihn gewesen sein, wenn selbst seine engsten Vertrauten nichts mit seinen Taten oder Worten anzufangen wussten.

Uns selbst geht es schließlich auch oft so. Von Menschen nicht verstanden zu werden, schmerzt umso mehr, je näher diese uns stehen.

Wir als Christen jedoch sind von jeher dazu aufgerufen, Jesus zunehmend ähnlicher zu werden. Ist es also nicht naheliegend, dass auch wir alle eine gesunde Dosis dieses „göttlichen Wahnsinns“ brauchen? Oft lesen oder hören wir vom Verhalten Jesu und können auf den ersten Blick keinen Sinn darin erkennen, finden es befremdlich, können nicht verstehen, was er damit bezwecken wollte, und erst bei näherer Betrachtung wird klar, welch andersartige, jedoch wunderbar andere Denkweisen sich dahinter verbergen.

Wie können wir als einfache Menschen also lernen, uns ein Stück dieses „göttlichen Wahnsinns“ anzueignen? Gabriel zeichnete für uns anhand zweier Paulusbriefe, jenen an Titus und jenen an Philemon, ein Bild davon, wie eine solche „Kirche der göttlichen Irren“ aussehen sollte. Zweifellos würden heutzutage viele sagen, dass die katholische Kirche durchaus „von Sinnen“ ist – weil wir Christen nach außen hoffnungslos, ja trostlos wirken. Jedoch nennt der Heilige Paulus drei konkrete Eigenschaften, die die Menschen in unserer Kirche seiner Meinung nach haben müssten, um aus dieser Schwerfälligkeit ausbrechen zu können: sie sollten ein gastfreundlicher, kluger und dienender Haufen sein.

Gastfreundlich bedeutet hier, im allerweitesten Sinne wohlwollend allem fremden, andersartigen gegenüber. Wir alle tun uns im Alltag oft überraschend schwer, zu akzeptieren, dass wir verschieden sind. Dennoch, oder gerade deswegen, sollten wir nicht nur stets offen sein für die Andersartigkeit unseres Gegenübers, sondern Neuartigem ausnahmslos freundlich gegenübertreten.

Die zweite Eigenschaft, Klugheit, zu vereinen mit der Idee „göttlichen Wahnsinns“ erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Gemeint ist hier jedoch, wie im Gleichnis des klugen Verwalters, dass man bereit sein soll, zu verlieren – indem man seine eigenen Güter mit anderen teilt. Wir Christen sollten weithin dafür bekannt sein, dass wir die ersten sind, bei denen man jederzeit ein offenes Ohr und Hilfe findet.

Weiters sollten wir uns bewusst sein, dass wir als Christen ausnahmslos jeder Person, der wir begegnen, Liebe schulden. Dies äußert sich im Idealfall darin, dass wir jeder Person aktiv unsere Hilfe anbieten – und ihr dann nicht nur in dem Maße behilflich sind und dienen, wie es die Person unbedingt benötigt, sondern weit darüber hinaus: Wenn dich etwa jemand bittet, eine Meile mit ihm zu gehen, so gehe zwei Meilen mit ihm. Jesus hat uns auch diesen selbstlosen Dienst am Nächsten vorgelebt, als er z.B. den Jüngern die Füße wusch – und auch bei diesem Liebesdienst zweifelte man an seinem Verstand.

Im Großen und Ganzen kann man diese drei Eigenschaften wohl unter dem Begriff der Nächstenliebe in ihrer reinsten und höchsten Form zusammenfassen. Jesus ist die Liebe. Und jene Art und Weise, wie er die Menschen liebt, ist für uns schwer zu fassen, ja, grenzt tatsächlich auf bestimmte Art und Weise an Wahnsinn – da sie eben übermenschlich ist. Diese Erkenntnis ist ein bisschen ernüchternd – denn wie soll diese unbeschreibliche Art zu lieben für uns einfache Menschen überhaupt zu bewerkstelligen sein, wie soll es uns möglich sein, Jesus in dieser Hinsicht zunehmend ähnlicher zu werden? Paulus sagt es uns: wir Menschen benötigen dafür ein Bad im Heiligen Geist. Damit ist nicht eine kleine Katzenwäsche gemeint, im Rahmen derer wir uns oberflächlich vielleicht sozusagen lediglich die Hände mit dem Heiligen Geist waschen, sondern ein ganzheitliches Eintauchen, vergleichbar mit römischen oder orientalischen Bädern, ein Ritual, nach welchem man sich vollkommen befreit fühlt von jeglichem Unreinen. Dann erst ist man dazu befähigt und kann versuchen, diese Liebe wahrhaftig zu leben, die uns Jesus vorgelebt hat. Wie schön, wie cool wäre es, wenn wir es in unseren Pfarren schaffen könnten, so ein „Haus der wahnsinnigen Liebe“ zu werden. Denn wo Menschen so aufeinander zugehen und füreinander da sind, dort strömen die Menschen in Scharen hin, denn das ist es, wonach wir alle im Grunde unseres Herzens suchen.

Musikalisch weitergetragen wurde diese Botschaft von Liedern mit Textzeilen wie „Erfüll mein ganzes Wesen, erfüll mein ganzes Sein, dass man aus mir kann lesen die große Liebe dein“ und „Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde“, sodass diese auch während der Anbetung vor dem Allerheiligsten weiter zum Nachdenken anregen und verinnerlicht werden konnte. Wenn wir versuchen, wie Jesus zu denken, ist es doch so, als würde er selbst in uns denken, und dann wird es möglich, dass Himmel und Erde, Göttliches und Menschliches, anfangen, sich zu berühren.

Im Anschluss gab es für alle wieder eine Agape im Pfarrheim, liebevoll vorbereitet vom Pfarrgemeinderat Obernberg, und die Möglichkeit, sich ausgiebig über das Gehörte auszutauschen.

Ein großes herzliches Vergeltsgott geht an unseren Dekan Gabriel für die wie immer rundum perfekt organisierte und aufbereitete Botschaft für unsere Pfarren und für sein beständiges Bestreben, uns immer wieder Wege aufzuzeigen, wie wir Jesu Botschaft im Alltag leben lernen können.

Text und Bilder: Stefanie Strickner

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